Bevor die Skulpturen von Ruth Gindhart einen Kontext annehmen können, bilden sie sich wie ein Satz aus Subjekt und Objekt, welche durch ein Verbum verbunden sind. Das stets unsichtbare, nur strukturell fungierende skulpturale Verbum steht anders als in gesprochenen Sprachen immer zugleich in beiden Modi, dem des Aktivs und des Passivs.
Es ist das gleichzeitige Halten und Gehaltenwerden, ein bedingungsloses aufeinander Angewiesen sein und doch getrennt Bleiben. Die Verbindung der Bauteile (Stahl und Holz) durch Stecken und Einschieben verleiht der Skulptur in all ihrer Fragilität zugleich Stabilität.
Erst in der Bewegung durch Veränderung des eigenen Standpunktes und Blickwinkels wird das wohl Austarierte von Be- und Entlastung, von Volumen und Raum wahrgenommen, auch das von realem und gedanklichem Zwischenraum und vor allem dem heiklen Moment, diesem einen Punkt, an dem all das ins Wanken geraten kann. Die Harmonie täuscht, denn Harmonie ist Ebenmaß, ausgeglichen und eindeutig. Ruth Gindhart hingegen zeigt wie fragil diese Sicherheit sein kann. Das Ausloten von Gewicht und Textur vollzieht sich auf einem schmalen Grat zwischen Standbein und Spielbein der Formen, aber auch der Bedeutung. Unter der Ordnung schwingt das Chaos der Realität ebenso mit wie ihre Dynamik. (Galerie Mönch)